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29.07.2010

Schützte einst die Pockenimpfung vor einer HIV-Infektion?

ImpfungAmerikanische Forscher vermuten, dass die Einstellung der Impfung gegen Pocken die Ausbreitung der HIV-Infektion begünstigt hat. Nach Ansicht der Wissenschaftler hat die Pocken-Impfung langfristig die Bildung von bestimmten CCR5-Rezeptoren auf der Oberfläche der CD4-Zellen unterstützt. Verfügen HIV-Infizierte über diesen CCR5-Rezeptor, erkranken sie auch Jahrzehnte nach der Übertragung des Erregers nicht an Aids (Meldung vom 18.9.2008).

Die Forscher kamen zu dieser Hypothese nach Experimenten mit den Blutproben von HIV-negativen US-Rekruten, die 3 bis 6 Monate zuvor eine Impfung gegen Pocken erhalten hatten. Dabei stellten sie fest, dass die durch CCR5 vermittelte HIV-Vermehrung der betroffenen Soldaten im Vergleich zu einer ungeimpften Vergleichsgruppe um den Faktor 5 reduziert war.

1980 erklärte die WHO die Welt für pockenfrei, nachdem 1977 der letzte Mensch daran erkrankt war. Dieser Erfolg war auf ein weltweit konsequent durchgeführtes Impfprogramm zurück zu führen. In Deutschland gehörte die Pockenimpfung daher seit 1975 nicht mehr zu den Standardimpfungen. Aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse fragen sich die Forscher der Universität Manassas in Virginia nun, ob ein Zusammenhang zwischen der Einstellung der generellen Pockenimpfung und dem Ausbreiten von HIV bestehen könnte.

Schon in der Vergangenheit hatte man versucht Erklärungen für das Ausbreiten der HIV-Infektion zu finden, die sich später als unhaltbar erwiesen hatten. So hatte einst der amerikanische Journalist Edward Hooper in seinem 1999 veröffentlichten Buch "The river" die Vermutung geäußert, dass bei der Vermehrung der Polio-Impfstoffe Ende der 50iger Jahre SIV-Viren aus Nierenzellen infizierter Schimpansen in den Impfstoff gelangt sein könnten. Ein Nachweis der Retroviren war damals noch nicht möglich. In keinem der archivierten Polio-Impfstoffe konnte das HI-Virus jedoch nachgewiesen werden. Zudem konnten amerikanische Evolutionsbiologen diese Theorie widerlegen. Auch die Wiederverwendung von Injektionsnadeln in den 50iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts scheidet als Erklärung inzwischen aus. Eine adäquate Erklärung für das plötzliche Auftreten und die massive Ausbreitung des HI-Virus unter Menschen, hat den Autoren der Studie zu Folge bis heute jedoch niemand gefunden.

Experten warnen jedoch vor übereilter Hoffnung und fordern weitere Tests. Noch sei es zu früh, Personen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko gegen Pocken zu impfen, um sie vor einer möglichen HIV-Infektion zu schützen.

Quelle: Ärzteblatt und Weinstein R. S., Weinstein M. M., Alibek K., Bukrinsky M. I. & Brichacek B., BMC Immunology 11:23 (2010)

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