| Die antiretrovirale Therapie (ART) In absehbarer Zeit wird keine Impfung gegen HIV zur Verfügung stehen. Deshalb wird die medikamentöse Therapie weiterhin im Fokus der Behandlung stehen. Da es sich bei HIV um ein Retrovirus handelt, spricht man von einer antiretroviralen, also gegen das Retrovirus gerichteten Therapie. Die Standardbehandlung bei einer Infektion mit HIV ist die hoch-aktive anti-retrovirale Therapie, abgekürzt HAART. Dabei werden mindestens drei Wirkstoffe miteinander kombiniert. Dennoch ist mit den derzeitig verfügbaren Medikamenten keine Heilung im Sinne einer vollständigen Eradikation des Virus möglich. Daher ist das Ziel der HIV-Therapie, die virale Replikation möglichst weit zu senken, wenn möglich unter die Nachweisgrenze im Blut, die derzeit bei 25 – 50 Kopien/ml liegt. Damit kann ein Wiederanstieg der CD4 Zellzahl ermöglicht und die Selektion von Resistenzen eingeschränkt werden. Wann der optimale Zeitpunkt für den Therapiebeginn ist, wird kontrovers diskutiert. Grundsätzlich gilt, sobald die CD4-Helferzellen und die Viruslast bestimmte Werte unter- bzw. überschreiten, sollte mit einer Kombinationstherapie begonnen werden. Nach dem heutigen Stand des Wissens muss die antiretrovirale Therapie lebenslang weitergeführt werden. Deshalb sollte gerade bei der ersten Therapie Präparate ausgewählt werden, die möglichst wenig Langzeitnebenwirkungen verursachen, d.h. Nebenwirkungen, die sich erst nach langer Therapiedauer bemerkbar machen, die aber mitunter sehr unangenehm sein können. Angriffspunkte für eine medikamentöse Therapie Im komplexen Vermehrungszyklus des HIV sind mehrere Ansatzpunkte für eine Therapie denkbar. Es gibt derzeit einen Hemmstoff, der bereits den Eintritt des Virus in die Zelle unterbindet. Die Mehrzahl der bisher zugelassenen Wirkstoffe konzentriert sich allerdings insbesondere auf zwei Schritte im Vermehrungszyklus: die Reverse Transkription und die Aktivität der Protease. Angriffspunkte für Wirkstoffe im Replikationszyklus  nach oben Angriffspunkt Eindringen des Virus in die Zelle Das Virus dockt über sein Hüllprotein gp120 an das CD4-Molekül der Zelle an und dringt anschließend in die Zelle ein. Dieser als „Fusion“ bezeichnete Vorgang wird über das Virusprotein gp41 gesteuert. Fusionsinhibitoren hemmen gp41 und unterbinden damit das Eindringen von HIV in die Zelle. Derzeit ist in dieser Medikamentengruppe allerdings nur ein Wirkstoff zugelassen. nach oben
Angriffspunkt Reverse-Transkriptase Mit der Reversen-Transkriptase gibt es einen weiteren Angriffspunkt im Vermehrungszyklus von HIV. Die Übersetzung von RNA zu DNA wird durch das viruseigene Enzym Reverse-Transkriptase durchgeführt. Es kann Nukleotide miteinander zu einer langen DNA-Kette verbinden. Durch eine Hemmung der Reversen-Transkriptase ist es dem Virus nicht mehr möglich, seine Erbinformation in die menschliche Wirtszelle einzubauen. Substanzen, die die Reverse-Transkriptase hemmen können, fasst man in der Gruppe der Reverse-Transkriptase-Hemmer (engl. reverse transcriptase inhibitor, kurz RTI) zusammen. Es gibt zwei Typen von Reverse-Transkriptase-Hemmern: NRTIs und NNRTIs Nukleosidanaloga (NRTI): Beim Umschreibevorgang werden normalerweise die Bausteine der DNA, die Nukleotide, zu einer langen Kette miteinander verbunden. Die Nukleosidanaloga (kurz auch „Nukes“ genannt) sind leicht veränderte Nukleotide. Sie werden anstelle der normalen Nukleotide sozusagen als "falscher" Baustein in die DNA-Kette eingefügt. Daraufhin kann die DNA-Kette nicht mehr verlängert werden. Durch diesen Kettenabbruch wird dann das Enzym Reverse Transkriptase gehemmt. Das bedeutet, dass keine virale DNA entstehen kann, die sonst in die menschlichen Chromosomen eingebaut werden würde. Mehr dazu im HIV.NET Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI): Die Nicht-Nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer hemmen, wie der Name schon sagt, zwar auch den Umschreibevorgang der Viruserbinformation von RNA in DNA (Reverse Transkription), unterscheiden sich aber grundlegend in ihrer Form von den Nukleosidanaloga. NNRTI sind im Gegensatz zu den Nukleosidanaloga (NRTI) keine "falschen" Bausteine, sondern "klemmen" sich quasi in der Reversen Transkriptase fest und unterdrücken so die Funktion dieses Enzyms. Mehr dazu im HIV.NET nach oben
Angriffspunkt Protease Die virale "DNA" wird von der wirtszelleigenen Maschinerie kopiert. Die entstehende RNA dient wiederum als Vorlage für virale Proteine, die als Bausteine für neue Viren dienen. Die Proteine sind zunächst als lange Ketten miteinander verbunden und sind so nicht funktionstüchtig. Die einzelnen viralen Proteine müssen noch aus dieser Kette herausgeschnitten werden. Dafür wird auch wieder ein viruseigenes Enzym benutzt: Die Protease. Hier befindet sich ein weiterer Angriffspunkt für eine antiretrovirale Therapie. Substanzen, die die virale Protease hemmen können, fasst man unter der Gruppe der Protease-Hemmer (engl. protease inhibitor, kurz PI) zusammen. Mehr dazu im HIV.NET Die Therapie wird heute in der Regel mit einer Dreifach-Kombination aus zwei Nukleosidanaloga und einem PI oder einem NNRTI begonnen. nach oben Möglicher zukünftiger Angriffspunkt Integrase-Hemmer Nachdem die Reverse Transkription im Zellkern stattgefunden hat und bevor es überhaupt zum Einsatz der Protease-Hemmer kommen kann, muss die virale Erbmasse in das menschliche Erbmaterial eingebaut werden. Unter Einwirkung von Integrase-Hemmern könnte genau dieser Einbau unterbunden werden. Allerdings gibt es bis jetzt noch keinen verfügbaren Wirkstoff auf dem Markt. Integrase-Hemmer werden derzeit nur in Studien erprobt. Mehr dazu im HIV.NET In der Forschung werden darüber hinaus weitere Substanzen erprobt, in der Hoffnung, den Kampf gegen das äußerst wandlungsfähige HI-Virus endlich zu gewinnen. Sehr detaillierte Informationen zu allen Aspekten der antiretroviralen Therapie finden Sie im Online-Buch „hiv.net“, insbesondere im Kapitel von Christian Hoffmann „HAART 2005: Therapieziele und Prinzipien“ im HIV.NET Ausführliche Informationen zu gesundheitlichen Aspekten für HIV-Infizierte erhalten Sie als Downloads unter - www.hiv-med-info.de, einer Webseite der Deutschen AIDS-Hilfe - www.projektinfo.de, Verein Projekt Information - www.hiv-facts.net Zu Fragen einer ergänzenden alternativen Therapie empfehlen wir Ihnen die Webseite der Deutschen AIDS-Hilfe www.hiv-wechselwirkungen.de nach oben
Wieso Compliance („Therapie-Treue“) so wichtig ist Zum Schluss noch ein Punkt, der bei der antiretroviralen Therapie von ganz besonderer Bedeutung ist, denn der Erfolg der Behandlung hängt gerade hier von der konsequenten Einnahme der Medikamente ab. Mit Therapie-Treue, auch Compliance oder Adhärenz genannt, ist die Bereitschaft des Patienten gemeint, die Vorgaben der medikamentösen Therapie penibel einzuhalten. Denn eine unregelmäßige Einnahme der Medikamente und willkürliche Therapiepausen fördern die Resistenzentwicklung des Virus und führen zum erneuten Anstieg der Viruslast. Bitte beachten Sie hierzu unsere Broschüre HIV treatment sketchpad. nach oben |