| Krankheitsverlauf - Die Phasen der HIV-Infektion I. Die primäre oder akute HIV-Infektion Die ersten Anzeichen einer Infektion mit dem HI-Virus ähneln oft einer Grippe mit Fieber, allgemeiner Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß, Appetitverlust und Hautausschlag. Diese Symptome können einige Tage oder Wochen nach Übertragung des HI-Virus auftreten und bis zu 14 Tage anhalten. Das HI-Virus vermehrt sich in dieser Zeit explosionsartig. Die Viruslast kann auf mehrere Millionen Viren pro Milliliter Blut steigen. Das bedeutet, gerade in diesem frühen Stadium einer Infektion kann ein Sexualpartner besonders leicht infiziert werden. Gleichzeitig kommt es zu einem kurzfristigen Abfall der CD4-Helferzellen. nach oben
II. Die Latenzphase Nach ein paar Wochen gewinnt das Immunsystem jedoch wieder die Oberhand über die Viren, die Viruslast sinkt und es beginnt eine unterschiedlich lange Phase ohne spürbare Symptome. Diese Phase kann einige Jahre dauern. Doch auch wenn die infizierte Person noch keine Krankheitszeichen verspürt, verringert sich allmählich die Zahl der für das menschliche Immunsystem so wichtigen CD4-Helferzellen und die Viruslast steigt wieder an. Wenn jetzt nicht mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wird, wird die körpereigene Abwehr immer schwächer und kann sich irgendwann gegen eigentlich harmlose und normalerweise leicht zu bekämpfende Krankheitserreger nicht mehr wehren. Es kommt zu sogenannten „opportunistischen Infektionen“. Damit geht die Erkrankung in das Aids-Stadium über. nach oben
III. Das Aids-Stadium Das Krankheitsbild Aids wird durch das Auftreten von „opportunistischen“ Infektionen definiert. Bakterien, Pilze und Viren, die bei einem gesunden Menschen nur selten eine Erkrankung verursachen, können sich ungehindert ausbreiten, weil die Abwehr des Körpers geschwächt ist. Beispiele hierfür sind die zu Beginn der Epidemie gehäuft aufgetretene Pneumocystis-Carinii-Pneumonie, eine seltene Form der Lungenentzündung, Schäden im Gehirn durch Toxoplasmose-Erreger. Außerdem beobachtete man bestimmte Krebserkrankungen (z.B. Kaposi-Sarkom, Lymphome). Insbesondere zwei Laborwerte - das Absinken der CD4-Helferzahl und der Anstieg der Viruslast - zeigen eine beginnende Immunschwäche an. Die Entwicklung zum Vollbild Aids kann heute wirksam verhindert werden, wenn schon zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion mit der Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten begonnen wird. Das ist auch ein Grund, wieso es sinnvoll ist, sich testen zu lassen. Wenn eine Infektion frühzeitig erkannt wird und zum richtigen Zeitpunkt mit der Medikamenteneinnahme begonnen wird, kann das Aids-Stadium viele zusätzliche Jahre hinausgezögert werden. nach oben Bestimmung von CD4-Zellzahl und Viruslast Die CD4-Zellzahl und die Viruslast sind wichtige Parameter um den Verlauf der HIV-Infektion und die Wirksamkeit einer Therapie zu beurteilen. Sie werden auch als „Surrogatmarker“ bezeichnet, denn sie können indirekt Aufschluss über den Krankheitsverlauf geben, auch wenn keine Veränderungen der klinischen Symptome (Krankheitszeichen) zu beobachten sind. Diese Werte dienen als Orientierungshilfe für den Arzt, wann mit einer Therapie begonnen werden muss. Während der antiretroviralen Therapie hilft deren regelmäßige Kontrolle, ein drohendes Therapieversagen zu erkennen. CD4-Zellzahl und Viruslast werden in der Regel mindestens alle 3 Monate bestimmt. Wichtige Entscheidungen sollten allerdings nicht aufgrund einer einzigen Messung getroffen werden, da einerseits Messfehler nicht ganz auszuschließen sind und andererseits die Zusammensetzung der Zellen des Immunsystems durch andere Erreger neben HIV gewissen Schwankungen ausgesetzt ist. nach oben CD4-Zellen Die CD4-Zellen gehören zu den Lymphozyten, einer Form der weißen Blutkörperchen. Diese wichtigen Abwehrzellen werden durch HIV infiziert und in der Folge reduziert. Ihre Anzahl pro Mikroliter Blut gibt uns einen Hinweis darauf, ob das Immunsystem noch funktionsfähig ist. Sinkt ihre Anzahl unter 200 pro Mikroliter Blut, ist der Infektionsschutz durch das Immunsystem lückenhaft. Dann sollte nach den gängigen Richtlinien spätestens mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden. Häufig werden dann zudem weitere Medikamente gegeben, die speziellen opportunistischen Infektionen vorbeugen sollen. Die absolute CD4-Zellzahl dient auch zur Stadieneinteilung der Infektion: CD4-Zellen/µl | Klinische Kategorie | über 500 | A | zwischen 500 - 200 | B | | Unter 200 | C | Die CD4 Zellzahlen werden manchmal auch als prozentualer Anteil an der gesamten Lymphozytenzahl angegeben. Eine weitere Möglichkeit ist, die CD4-Zellen zu den CD8-Zellen in Beziehung zu setzen und den Quotienten zu errechnen. Die CD4-Zellen kennen wir bereits als die Zellen des Immunsystems, die die Immunantwort im menschlichen Körper aktivieren. Die CD8-Zellen sind die Gegenspieler der CD4-Zellen. Man nennt sie auch CD8-Suppressorzellen, da sie in der Lage sind, Immunantworten zu unterdrücken. Sie sind die Zellen, die dem Körper mitteilen, wenn eine Gefahr wieder beendet ist. CD4-Helferzellen und CD8-Supressorzellen regeln also die Abwehrreaktion des Körpers gemeinsam. Zum Vergleich der Mengen von CD4- zu CD8-Zellen wird deren Quotient ermittelt. Im Körper eines gesunden Menschen ist die Menge der CD4-Zellen, die das Immunsystem aktivieren, normalerweise größer, als die Menge der CD8-Zellen, die Immunantworten unterdrücken. Der Quotient ist dann größer 1. nach oben
Bestimmung der Viruslast Der zweite wichtige Wert zur Bestimmung des Erkrankungsstadiums ist die Anzahl der vorhandenen Viren im Blut, kurz Viruslast genannt. Das Therapieziel ist es dabei, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu bringen (in der Regel weniger als 50 Kopien pro ml Blut). Sie wird mit folgenden Methoden bestimmt: Die Q-PCR-Methode (quantitative Polymerasekettenreaktion) kann sehr kleine Mengen des HIV-Erbmaterials (DNA/RNA) nachweisen. Doch je empfindlicher ein Verfahren ist, desto eher können schon geringfügige Verunreinigungen einer Blutprobe zu falsch-negativen oder falsch-positiven Ergebnissen führen. Die bDNA-Methode (engl.: branched DNA, verzweigte DNA) wird ebenso wie die Q-PCR-Methode mit einer Probe aus dem Blutplasma des Patienten durchgeführt. Die Virusmenge wird angegeben in pg/ml oder Viruskopien/ml. Diese und andere neue Verfahren sind hochsensibel, so dass heute schon Mengen ab fünf Viruspartikel pro Milliliter Blut nachweisbar sind. Häufig hat man es jedoch mit sehr hohen Virusmengen zu tun. Um hier die Übersichtlichkeit zu bewahren wird die Viruslast als "Zahl der Viruskopien pro Milliliter Blut" oder in Form einer Zehnerpotenz (z. B. 7 x 10³ = 7.000 Viruspartikel pro Milliliter Blut) dargestellt. Kleine Änderungen der Virenzahl sind in der Regel nicht von Bedeutung. Demgegenüber spricht man von großen Änderungen, wenn die Unterschiede in ganzen log-Stufen messbar sind. Ein Anstieg von 100 auf 1.000 Viren entspricht einer log-Stufe: 100 x 10 = 1.000. Veranschaulichung der Senkung der Viruslast Ein Beispiel, das die Bedeutung der CD-Zellzahl und der Viruslast verdeutlicht: Christian Hoffmann nennt in seinem Artikel „Wann mit HAART anfangen?“ folgende Zahlen: „Für einen 55 Jahre alten Patienten mit einer CD4-Zellzahl von 50/μl und einer Viruslast von 300.000 Kopien/ml lag das Aids-Risiko innerhalb der nächsten sechs Monate bei 44,8 %. Für einen 25 Jahre alten Patienten mit 500 CD4-Zellen/μl und einer Viruslast von 3.000 Kopien/ml dagegen nur bei 0,3 %.“ (siehe HIV.NET) Gelingt es also durch die antiretrovirale Behandlung, die Viruslast zu senken, erholt sich der Bestand an CD4-Helferzellen, das Immunsystem wird gestärkt und die Gefahr einer Erkrankung an Aids verringert sich. nach oben |